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Saturday, 12. November 2005
Übersetzerbarke für den Einäugigen unter den Blinden?
Der Verband deutscher Übersetzer hat seine Auszeichnung für vorbildlichen Umgang mit Übersetzern, die Übersetzerbarke, in diesem Jahr dem züricher Unionsverlag verliehen. Grund dafür war die „beispielhaft ausführliche Vorstellung von Übersetzern in den Vorschaukatalogen und Presseinformationen sowie auf den Internetseiten des Verlages“. Übersetzer werden mit dem Autor auf der Umschlagsseite genannt, neben der Autorenbiografie wird eine Übersetzerbiografie abgedruckt, für einzelne Bücher werden sogar Übersetzungsberichte veröffentlicht, „um diese Zwischenstation zwischen Autor und Leser dem Publikum ins Bewusstsein zu bringen“. Immerhin gäbe es ohne Übersetzer keine Weltliteratur, so der Verlagsleiter Lucien Leitness. Dem Leser sei oft gar nicht klar, dass er nicht die Worte des Autors lese, sondern die des Übersetzers. Leitness vergleicht die Übersetzung mit einer Glasscheibe: „Man schaut ins Freie, und wenn die Übersetzung gut ist, wenn das Glas sauber ist, sieht man ein klares, reines Bild und merkt gar nicht, dass man durchs Glas schaut.“ (Guter Vergleich. Siehe: Literarische Übersetzer: je besser, desto unsichtbar?).
So weit so gut. Bezahlt werden die Übersetzer bei Union allerdings „branchenüblich“, also bei weitem nicht angemessen. Dazu der Verlagsleiter: „Ich muss ganz offen sagen, dass auch das höchste Honorar, was wir uns überhaupt nur irgendwie leisten können, nicht den Aufwand des Übersetzens deckt. Für solche Preise würde kein Klempner ins Haus kommen.“
Immerhin ist der Mann ehrlich.
Das komplette Interview mit Lucien Leitness ist hier nachzulesen.
